das buch: neun

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heute morgen, als es in mir gesprochen hat, waren da, jetzt erinnere ich mich doch vage, vor allem viele fragen. heikle, unbeantwortbare, verunsichernde fragen. fragen, die man, vor allem wenn man schreibt, niemals stellen sollte. ich nenne sie hier einmal frei schnauze gretchenfragen.

aus heiterem himmel komme ich auf diesen begriff, weil er mir gefällt und passend scheint. ich brauche gretchen, um nicht unterzugehen. so wie ihr mir helft, wird mir gretchen helfen. satz für satz werde ich mich ihr mit meiner ganzen sehnsucht nähern und mich so im selben maße von den nach ihr benannten fragen entfernen.

und höre lauter und lauter die stimme von heute morgen:

erzähle, was du zu erzählen hast. 

ich kann einfach nicht.

immer, wenn ich gerade den mund aufmachen will, redet ihr alle wild und empört durcheinander! ha! wohl ein zeichen, dass euch die ganze situation genauso erzähltot macht wie mich. ich höre aus dem ganzen aufruhr heraus, ein schriftsteller sei ja auch dazu da, die brisanz der stunde zu nutzen, sie umzukrempeln und auszuschmücken. und das zumindest könnte ich doch schaffen, sagt ihr. brüllt ihr. 

vielleicht. 

die stimme, die in mir gesprochen hat, wollte auf etwas  anderes, auf etwas wie eine erzählung hinaus. sei's drum. man muss sich seinem schicksal fügen. ich höre auf euch und werfe mein wollen in den müll.

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