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ein besseres buch ist immer auch ein gesangbuch:
du merkst es daran, dass du es aufschlägst und du dich schon auf seite eins rhythmisch zu bewegen beginnst und bald darauf die sätze melodien bilden.
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schenke solchen möglichkeiten aussicht, flöte von der existenz selbstredenden gesangs; större nicht, wie esel störren, lauf' vielmehr die runde und nicke wie ein zirkuspferd mit federbusch den lauernden griesgrams zu.
und vergiss' nicht, stolz den hals zu recken.
+++
jedes buch könnte ein gesangbuch sein... wenn du es singst und dir die betonungen markierst und dann singst du es nochmals und nochmals laut, bis es flüssig kommt und du dich vor deine zuhörerschaft hinstellen wirst und sagst: ich singe euch jetzt ein buch vor, es war früher einmal ein ganz normales buch, doch ich habe es umbetont und umgemünzt und neu rhythmisiert und ihm eine melodie gegeben. und das, was daraus geworden ist, will ich euch jetzt vortragen...
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und da wir uns vorstellen können, hier zusammen unter linden zu sitzen, so tun wir das auch, so tun wir das auch, und wir stellen uns den duft dazu vor und die alte weise, aus der heraus ein gesang beginnt:
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ich halte ihnen mein graugedeckeltes hausbuch entgegen und ich singe darin und ich singe daraus. es hat sich eines nachts, eines nachts im schlaf in ein singbuch verwandelt, eine wandluchng, die man leicht in den hüften spürte, wenn man es zur hand nahm.
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und das tempo und das timbre gingen einem ins blut und ein jeder, der es zur hand nahm, wurde in gewisser weise zum troubadour.
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dann hatten die kirchengesangbücher lange zeit die führung übernommen, dann schuberts winterreise, zumindest hätten das manche gerne so gesehen, dann rockiges, poppiges, rappiges...doch jetzt ist die zeit gekommen, aus graugedeckelten sudelbüchern zu singen
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gesungene langeweile ohne eile---
rezitando, parlando, onomatopoeto
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mein gesangbuch ist wie der alltag ein tausendfacher kanon aus stimmen, die sich die harmonien weiterreichen und sich ihre mehrstimmigen gesänge durch süße küsse tradieren. ein buch voller liebesgieriger kanons. in diesen kanons geben sich die enden und anfänge die ehre und endlich sind sie so ineinander verflochten, dass eine endlose litanei daraus wird.
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der philosoph glaubt nicht, dass das graugedeckelte zum wahren gesangbuch dieser welt taugt
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lass' alles aus, mein lied, mein buch...
alles, was sich wortlos zusammenbraut, ist besser.
so könnten wir gewinnen
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leicht und besessen geht es mir durch den kopf, meine damen, meine herren, und das ist gut so...das macht den singsang wie er sein soll: recht nett und eine prise redundant.
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für mein gesangbuch eignen sich ah's und oh's und allerlei andere ausrufe. sie helfen, dass sich etwas wie von der seele gesungen anhört. was wäre das für ein gesang, dem das geheime stöhnen fehlt?
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da sind die zeichen, die ich singe, die winkend den horizont bevölkern, den ich bei jedem vortrag hinten im saal begrüße und immer neu interpretiere.
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ich bin auf seite 23 angekommen und bin betrunken von gesang. ich tu' die madeleine in schwarztee tunken und denk' an prousts enormes oeuvre und dass man, hat man eines tags das graugedeckelte als übungsbuch durchsungen, sich auf die suche nach der verlor'nen zeit macht, für madame guermantes singt und für odile und swan in seiner welt.
+++
im morgengrauen erlosch seine sangeskraft. flatternde raben sogen sie ein, schwangen sich auf einen ast und pickten rhythmisch in die luft...
ein besseres buch ist immer auch ein gesangbuch:
du merkst es daran, dass du es aufschlägst und du dich schon auf seite eins rhythmisch zu bewegen beginnst und bald darauf die sätze melodien bilden.
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schenke solchen möglichkeiten aussicht, flöte von der existenz selbstredenden gesangs; större nicht, wie esel störren, lauf' vielmehr die runde und nicke wie ein zirkuspferd mit federbusch den lauernden griesgrams zu.
und vergiss' nicht, stolz den hals zu recken.
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jedes buch könnte ein gesangbuch sein... wenn du es singst und dir die betonungen markierst und dann singst du es nochmals und nochmals laut, bis es flüssig kommt und du dich vor deine zuhörerschaft hinstellen wirst und sagst: ich singe euch jetzt ein buch vor, es war früher einmal ein ganz normales buch, doch ich habe es umbetont und umgemünzt und neu rhythmisiert und ihm eine melodie gegeben. und das, was daraus geworden ist, will ich euch jetzt vortragen...
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und da wir uns vorstellen können, hier zusammen unter linden zu sitzen, so tun wir das auch, so tun wir das auch, und wir stellen uns den duft dazu vor und die alte weise, aus der heraus ein gesang beginnt:
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ich halte ihnen mein graugedeckeltes hausbuch entgegen und ich singe darin und ich singe daraus. es hat sich eines nachts, eines nachts im schlaf in ein singbuch verwandelt, eine wandluchng, die man leicht in den hüften spürte, wenn man es zur hand nahm.
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und das tempo und das timbre gingen einem ins blut und ein jeder, der es zur hand nahm, wurde in gewisser weise zum troubadour.
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dann hatten die kirchengesangbücher lange zeit die führung übernommen, dann schuberts winterreise, zumindest hätten das manche gerne so gesehen, dann rockiges, poppiges, rappiges...doch jetzt ist die zeit gekommen, aus graugedeckelten sudelbüchern zu singen
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gesungene langeweile ohne eile---
rezitando, parlando, onomatopoeto
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mein gesangbuch ist wie der alltag ein tausendfacher kanon aus stimmen, die sich die harmonien weiterreichen und sich ihre mehrstimmigen gesänge durch süße küsse tradieren. ein buch voller liebesgieriger kanons. in diesen kanons geben sich die enden und anfänge die ehre und endlich sind sie so ineinander verflochten, dass eine endlose litanei daraus wird.
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der philosoph glaubt nicht, dass das graugedeckelte zum wahren gesangbuch dieser welt taugt
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lass' alles aus, mein lied, mein buch...
alles, was sich wortlos zusammenbraut, ist besser.
so könnten wir gewinnen
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leicht und besessen geht es mir durch den kopf, meine damen, meine herren, und das ist gut so...das macht den singsang wie er sein soll: recht nett und eine prise redundant.
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für mein gesangbuch eignen sich ah's und oh's und allerlei andere ausrufe. sie helfen, dass sich etwas wie von der seele gesungen anhört. was wäre das für ein gesang, dem das geheime stöhnen fehlt?
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da sind die zeichen, die ich singe, die winkend den horizont bevölkern, den ich bei jedem vortrag hinten im saal begrüße und immer neu interpretiere.
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ich bin auf seite 23 angekommen und bin betrunken von gesang. ich tu' die madeleine in schwarztee tunken und denk' an prousts enormes oeuvre und dass man, hat man eines tags das graugedeckelte als übungsbuch durchsungen, sich auf die suche nach der verlor'nen zeit macht, für madame guermantes singt und für odile und swan in seiner welt.
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im morgengrauen erlosch seine sangeskraft. flatternde raben sogen sie ein, schwangen sich auf einen ast und pickten rhythmisch in die luft...
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