das buch: sechs

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ein streifendes beispiel: ich redete mir bis vor kurzem unverfroren und lügnerisch ein, dass ich die einsamkeit liebe. vorneweg, dass alles am besten alleine geht. ich hatte mich zu viel mit leere, zen, fasten oder nietzsche beschäftigt. ja, das wird der grund sein. die folge davon war, dass ich mit meinem buch nicht vorwärtskam. ich fürchtete, dass es ein hermetisches buch würde, ohne freude und austausch. ich will aber eher ein hermeneutisches buch mit freude und austausch: also hänge ich ab sofort viel am telefon, lade freunde ein, rede mit ihnen über gott und die welt und das heißt: auch über mein buch.

viele sagen, dass das doch  ein nabelschau-buch ist, was ich da verfasse. damit kann ich in etwa leben. ich ertrage es weniger , wenn jemand sagt: das ist ja ein tagebuch, dein buch.

denn dann könnte ich mir nicht zusammenreimen, warum ich mir folgendes notiert habe:

hüte dich davor, tagebuch zu schreiben, geschweige denn, dein tagebuch zu lesen. es ist gift.  vor allem hüte dich davor, geringste gemütsschwankungen schriftlich fertzuzurren: du hörst in dir beim schreiben deine überzeugung, aber fünf sekunden später ist sie mit zweifeln vergiftet und du bringst deinen satz nur zähneknirschend zuende. und im nächsten neutralisierst du ihn: ja-nein-ja-nein...

trotz des wissens um dieses fortwährende aufkündigen des standpunktes verliere ich bis heute nicht den drang, etwas berichten zu wollen, wovon insgeheim jeder träumt, wovon zu berichten jedoch noch keinem gelungen ist: euch ein zartes, vages, mit sehnsucht verknüpftes gefühl nahezubringen. es ist diese sehnsucht, die mich treibt und die meinen bericht trotz aller unwahrscheinlichkeit voranbringen soll.

doch weil die art, wie ich dieser sehnsucht form gebe, noch ängstlich und klein ist, bleibt sie an mir kleben.  nur sehnsucht zu konstatieren ist ja nicht einmal ein anfang. es braucht mut, frechheit, ja vielleicht sogar verstiegenheit, damit hier etwas vorwärts geht. alle diese sehnsuchtsvollen bilder müssen aus mir herausgeschleudert werden. aber was dann?

ich werde ihnen nachlaufen, fange sie wieder ein, tanze mit ihrem sinn. so werde ich vorwärtskommen.  stelle ich mir vor.

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