das buch: zehn

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bevor ich weiterschreibe, sollte ich mich rasieren. meine wangen jucken. das letzte mal habe ich mich gestern früh bei meiner ruhrpottlerin rasiert. mit deren pinkfarbenem drei-klingen-lady-rasierer. das geht schon besser als mit einem für 35 cent von rossmann. aber der tut’s auch.  ich gebe mein geld lieber für guten wein aus. so wie heute in bielefeld, genauer in melle.

ja, auf einmal will ich euch von diesem abend berichten, in dem ich ja fast noch drinstecke. nach einem leckeren mittagessen mit besagtem guten wein und einem gelungenen konzert am frühen abend im legendären kulturzentrum etwas außerhalb des städtchens wusste ich plötzlich und ganz grundsätzlich nicht mehr weiter:

wo ich mir als einsamen ausklang des abends noch eine lange schreibnacht vorgestellt hatte. wo ich mich ungezwungen von einem gedanken zum nächsten hangeln wollte, um das leben wenigstens im geiste zu spüren. ein imaginiertes nachtleben, allein hier auf dem plüschsofa. ich schaue links zwischen den fast zugezogenen vorhängen durchs geschlossene fenster in die schwarze nacht hinaus, um mich abzulenken. um es nicht traurig zu finden, dass ich hier alleine auf dem roten sofa sitze, auf dem ich wohl auch übernachten werde.

ich glaube jetzt, ich will nur etwas melancholisches zu berichten haben. grundsätzlich nicht mehr weiter wissen und melancholie sind verwandte zustände.  aber nein doch, ich bin nicht traurig, ich denke nur, es könnte angebracht sein, in dieser situation traurig zu sein. es ist schon komisch, um solche ecken denke ich.  

nicht mehr weiter wissen, melancholie und um ecken denken, die immer mehr zu  kurven werden, das ist schnell alles eins und schwierig zu entwirren. 

ich ziehe meine graue cordhose wieder an und schaue mal, wer sich bei der anschluss-veranstaltung tangokurs im ballsaal tummelt…nein, doch nicht, ich schlafe ja schon fast. das ist schlecht fürs ausgehen, und sei's nur über'n flur.

wie auch für eine lange schreibnacht.

beide vorhaben werden durch anhaltendes gähnen, das in ein nickerchen mündet, auf natürliche weise weggefegt.

durch kichern auf dem flur werde ich wieder wach. es entfernt sich rasch. eine tür schlägt.  jetzt herrscht absolute stille.

ich bin wieder putzmunter.

was ich jetzt tun werde?
der nacht entlang über den versäumten tango-abend schreiben.  

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